Chorreise nach Siebenbürgen – ein Rückblick

Im Nachhinein ist unsere Chorreise nach Brasov/Kronstadt in Rumänien wie im Flug vergangen. Drei Konzerte waren geplant, gesungen haben wir fast jeden Tag in unterschiedlichsten Kirchen und – weil es sich gerade so ergeben hat – auf einem Marktplatz in Sighisoara/Schässburg. So ist das, wenn der Nürnberger Hauptstadtchor unterwegs ist.

Gleich am Tag unserer Ankunft wurden wir im Rathaus von Brasov von Herrn Toarcea, Leiter der Abteilung für Kommunikation, Außenbeziehungen und Tourismus herzlich empfangen. Dazu kam es, weil Brasov die rumänische Partnerstadt von Nürnberg ist und die Stadt Nürnberg diese Reise ideell und finanziell unterstützt hat. Somit hatten wir bereits am ersten Tag die Gelegenheit das einzige rumänische Lied unseres Repertoires an offizieller Stelle zu singen.

Apropos „singen“: Der eigentliche Anlass unserer Reise war die Teilnahme am Romania Unison Music Festival RUMF, das dieses Jahr zum dritten Mal in Brasov und Umgebung stattgefunden hat. Wir kamen auf Einladung des vielfach ausgezeichneten Chores Corul Unison Transsilvania. Als dessen Partnerchor haben wir gemeinsam das Abschlusskonzert in der Kirchenburg in Codlea/Zeiden gegen Ende unserer Reise gesungen. Bereits am Abend vorher durften wir in der Kirche aus dem 13. Jahrhundert ein Konzert geben. Eine Kirche, in der der sonntägliche Gottesdienst immer noch zuerst auf deutsch und dann auf rumänisch gefeiert wird. So war uns der Innenhof der großen Kirchenburg am Abend des Chorfestivals bereits vertraut. Und wie immer hatten wir ein buntes Liederprogramm dabei.

Die Sängerinnen des Corul Unison Transsilvania Frauenchores und deren Chorleiter hatten wir bereits während einer gemeinsamen Chorprobe zwei Tage vor dem Abschlusskonzert kennengelernt. Dort wurden wir freudig empfangen und mit einem feinen Buffet willkommen geheißen.

Die traditionelle Kleidung, die die Sängerinnen am Abschlusskonzert in Zeiden unter freiem Himmel zwischen alten Bäumen und Kirchenburgmauer getragen haben und die mit Choreographien gesungenen Lieder hinterließen bleibende Eindrücke. Besonders berührend war, dass wir zwei Lieder gemeinsam gesungen haben – ein rumänisches und ein deutsches. Das mitreißende Liederprogramm des Unison Kinderchores mit rund 55 Sänger*innen begeisterte uns und das Publikum. The Lion Sleeps Tonight hat uns alle mit in den Dschungel genommen.

Ein abschließendes Picknick mit zahlreichen selbstgemachten Leckereien – ich erwähne hier nur die Baumstriezel riesigen Ausmaßes – war ein geselliger Abschluss für diesen besonderen Konzertabend. Wir fühlten uns sehr willkommen an diesem Ort und wurden mit großer Herzlichkeit umsorgt.

Die Tage zwischen unserer Ankunft im Rathaus und dem Abschlusskonzert in der Zeidener Kirchenburg waren mit kulturellen Highlights gefüllt. Hier eine kleine unvollständige Aufzählung der wunderschönen, geschichtsträchtigen Orte, die wir gemeinsam mit unserem Reiseführer vor Ort – Edi – besucht haben: In der Schwarzen Kirche in Brasov gaben wir unser erstes offizielles Konzert. Wir haben die Museumsstadt Sighisoara/Schässburg und deren Bergkirche gesehen und dort gesungen. Diese kleinen spontanen Auftritte erfreuten nicht nur uns, sondern ebenso die Menschen, die zufällig anwesend waren. In solchen Momenten ist zu spüren, dass Musik verbindet.

Verbinden sollte auch der so bezeichnete Scheidungsturm von Birthälm, der meistbesuchten Kirchenburg Siebenbürgens, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Die zerstrittenen Eheleute wurden solange dort eingesperrt, bis sie sich wieder vertrugen. Begleitet wurden wir auf unseren Fahrten von einem Ort zum nächsten von den allgegenwärtigen Störchen, deren Nester teilweise wie aufgefädelt entlang der Straßen auf den Strommasten thronten.

Das ehemalige Königsschloss Peles in Sinaia aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bietet neben der bezaubernden und architektonisch herausragenden Fachwerkkunst alles an Modernität und Prunk, was zu dieser Zeit möglich und eines Königsschlosses würdig war. Wir haben sogar ein Nürnberg-Bild entdeckt, da Nürnberger Künstler an der Ausgestaltung der Innendekoration mitwirkten. Für das „Dracula-Schloss“ Bran selbst blieb daher nicht mehr viel Zeit, wohl aber für eine kleine Shopping-Tour durch die Touristenfalle am Fuße des Schlosses. So manche Handtasche, manches Schaffell und anderer Nippes fanden eine neue Besitzerin.

Je mehr wir gesehen und gesungen hatten, desto heißer wurde es auf unserer Reise. Eingerahmt von den Karpaten mit dem Fagaras-Gebirge fuhren wir durch die Siebenbürgische Hügellandschaft für eine letzte Übernachtung nach Sibiu/Hermannstadt. Eine letzte Stadtführung mit letzten Kirchenbesichtigungen – es gab so viele: evangelische, katholische, römisch-orthodoxe – führte uns kreuz und quer durch die Altstadt von Hermannstadt. Diejenigen unter uns, die noch über Kraftreserven verfügten, verbrachten den Abend beim Open-Air Abschluss des Theaterfestivals mit fliegenden Dinosauriern in der heißen und vollen Innenstadt.

Zum Abschluss noch eine kleine Würdigung für unseren Reiseführer, Edi, der uns die besten Eisdielen und Konditoreien gezeigt hat, der uns die Geschichte nähergebracht hat, uns an seinem Selbstgebrannten teilhaben ließ und einfach immer für uns da war. Danke. Und vielen herzlichen Dank an alle, die mitgewirkt haben und dabei waren.

Viele Bilder und weitere Eindrücke findet ihr auf unseren Social Media-Auftritten (s. Seitenende)

Elisabeth