22.-29. Juni 2026: Von Kronstadt nach Hermannstadt
Als im Jahr 2023 in Kronstadt ein internationaler Flughafen eröffnete und Direktflüge nach Nürnberg anbot, kam mir der Gedanke, dem Chor eine Reise nach Rumänien vorzuschlagen – dem Land, in dem ich Kindheit und Jugend verbracht hatte, bevor ich 1992 nach Deutschland kam. Als dann Nürnberg im Jahr 2024 auch noch offizielle Partnerstadt von Kronstadt wurde, war die Zeit reif. Im Juni ist es jetzt so weit: wir fahren für eine Woche nach Kronstadt.
Wir werden ein Land besuchen, das vielen noch nicht bekannt ist. Umso schöner ist es, dass sich 40 Chormitglieder darauf einlassen. Rumänien kennen die meisten als ein armes, traditionelles Land im Osten Europas. Man hat Bilder der sozialistischen Vergangenheit mit dem Diktator Ceaușescu, den vernachlässigten Kindern in Waisenhäusern im Kopf, die nach der Revolution 1989 um die Welt gingen oder allenfalls noch Dracula und Transsilvanien. Rumänien hat viel mehr zu bieten, und einiges davon werden wir auf unserer Reise kennen lernen. Kronstadt liegt im Zentrum des Landes, umgeben von Bergen des Karpatenbogens und bietet dadurch einen perfekten Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung.
Musikalisch sind aktuell drei Konzerte und eine gemeinsame Chorprobe mit dem rumänischen Frauenchor „Unison Transilvania“ geplant. Wir starten mit einem Mittagskonzert in der berühmten Schwarzen Kirche in Kronstadt. Es gibt ein Abendkonzert in Zeiden (Codlea) und zufällig erneut in Zeiden ein gemeinsames Abschlusskonzert des Romania Unison Music Festival (RUMF). Das Festival wird seit einigen Jahren durch die Unison Chöre unter Leitung von Herrn George Dumitrașcu durchgeführt. Diese Konzerte finden an verschiedenen Orten im Landkreis statt, im Freien, oft in den sächsischen evangelischen Kirchenburgen (befestigte Kirchenanlagen, die als Verteidigungsanlagen dienten und heute Weltkulturerbe sind). Nach dem RUMF-Konzert ist ein Picknick aller Teilnehmer (Sänger und Publikum) auf dem Gelände der Kirchenburg Zeiden geplant.
Vor Ort kommt man mit Englisch und teilweise Deutsch gut zurecht. Auch heute gibt es in Siebenbürgen noch deutsche Kindergärten und Schulen. Nach der großen Ausreisewelle der Siebenbürger Sachsen 1990, werden sie inzwischen überwiegend von nicht deutschstämmigen Kindern besucht. (Für Ambitionierte, die darüber hinaus Interesse an der rumänischen Sprache haben: hier ein paar Tipps zur Aussprache)
Die lokale Küche bietet typische Suppen wie „Ciorbă de perișoare“ (Fleischklösschensuppe), es gibt gefüllte Krautrouladen „Sarmale“, gebratene Hackfleischröllchen „Mici“, Polenta „Mămăligă“ mit Schafskäse und leckere Gemüse-Brotaufstriche „Salată de vinete“ (Auberginensalat) oder „Zacuscă“ (Paprika-Tomaten u.a.). Als Süßspeisen sind „Papanași“ (Topfenknödel) oder der sächsische „Baumstriezel“ (auf Holzstämmen gegrillter Hefeteig mit viel Butter und Zucker) bekannt.
Als Einstimmung auf Kronstadt ist das Buch „Wo die Hunde in drei Sprachen bellen“ von Ioana Pârvulescu zu empfehlen. Es erzählt die Geschichte eines Hauses und seiner Bewohner über mehrere Generationen und greift dabei Geschichte, Politik, Multikulturalität und Naturereignisse auf.

Diese Chorreise wird unterstützt von der Stadt Nürnberg
Sehr gefreut hat uns, dass die Stadt Nürnberg diesen Austausch mit der Partnerstadt Kronstadt fördert und uns einen Empfang im dortigen Rathaus vermittelt.
Nach der Reise werden viele im Chor Rumänien vermutlich mit anderen Augen sehen und das soll ja auch ein Ziel solcher Reisen sein: Neues kennen lernen, verbinden, Verständnis füreinander aufbauen, Vorurteile abbauen. Und ganz nebenbei werden wir uns sicher auch gegenseitig besser kennen lernen und als Chor zusammenwachsen.
Ich freue mich sehr darauf, diese Reise mit dem Chor zu erleben.
Brigitte




